Wahrnehmung und Glaube: Zum Verhältnis von Theologie und Ästhetik in gegenwärtiger Zeit
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Nachdem sich die Theologie jahrzehntelang an den empirischen Sozialwissenschaften orientierte, beobachtet man seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Hinwendung zur Ästhetik. Kunst und ästhetische Erfahrung gewinnen für die Reflexion religiöser Erfahrung an Bedeutung. Die ästhetische Dimension des Glaubens wird wiederentdeckt. Die Autorin untersucht anhand verschiedener Entwürfe die systematisch-theologischen Grundvoraussetzungen einer solchen Bezugnahme und fragt nach Chancen, aber auch Grenzen einer Annäherung von Theologie und Ästhetik. Sie zeigt auf, dass sich die Notwendigkeit einer Bezugnahme von Theologie und Ästhetik aus der hermeneutischen Fragestellung nach Gestalt und Wahrnehmung des lebendigen Wortes Gottes ergibt. Als theologischer Ort einer Ästhetik wird die Fundamentaltheologie im Sinne einer Selbstreflexion über die Bedingungen theologischen Denkens bestimmt. Die wichtigste Einsicht auf dem Weg zur ästhetischen Dimension des Glaubens ist dabei, dass diese uns mit der Heiligen Schrift immer schon mitgegeben ist. Gottes Wahrnehmung des Menschen als Sünder und Gerechtfertigter ist damit das Kriterium aller menschlichen Wahrnehmungsvollzüge. Vorwort Inhalt Einleitung A. Theologische Modelle der Verhältnisbestimmung von Theologie und Ästhetik I. „Das Schöne im Lichte des Wahren“. Offenbarung als Kriterium theologischer Ästhetik 1. Eberhard Jüngel – Wahrheit als Kriterium des Schönen 1.1. „Sein in Herrlichkeit“ als „Ende des Zwielichts“ – Das eschatologische Kriterium als Wahrheitskriterium 1.2. Metaphorologie 1.3. Anthropomorphismus als Grundproblem neuzeitlicher Hermeneutik 1.4. Geistesgegenwart und Sinnlichkeit 1.5. Das ontologische Primat der Möglichkeit vor der Wirklichkeit 1.6. Erfahrung und Glaube 1.7. Fazit 2. Matthias Zeindler – Gott und das Schöne 2.1. Zur Methode 2.2. Die Doxologie als Ort und Form der Rede von der Schönheit Gottes 2.3. Gotteserfahrung 2.4. Die Schönheit der Welt als Gleichnis der Schönheit Gottes 2.5. Schönheit der Schöpfung und Sünde 2.6. Fazit II. Die Ästhetische Erfahrung des Glaubens. Theologische Ästhetik als Wahrnehmungstheorie 1. Gerhard Ebeling – Wirklichkeit wahrnehmen 1.1. Hermeneutik und Ästhetik 1.2. Erfahrungstheologie 1.3. Der Lebensbezug religiöser Erfahrung 1.4. Erfahrung als Wahrnehmen der Sprachsituation 1.5. Der ästhetische Offenbarungsbegriff 1.6. Der Wirklichkeitsbezug des Glaubens 1.7. Gotteswort und Menschenwort 1.8. Die leibliche Dimension des Glaubens 1.8.1. Das Gebet und seine Gesten 1.8.2. Das leibliche Empfangen der sakramentalen Gestalt des Wortes Gottes 1.9. Fazit 2. Oswald Bayer – „Sinn und Geschmack fürs Endliche“ 2.1. Integratives Denken 2.2. Das schöpferische Wahrnehmen Gottes als Kriterium des geschöpflichen Wahrnehmens 2.3. Wahrnehmen als bewusstes Sehen 2.4. Die Externität der Anrede (promissio) durch das Leibliche Wort 2.5. Die leibliche Vermittlung – Rede an die Kreatur durch die Kreatur 2.6. Poietologische Theologie 2.7. Fazit 3. Hermann Timm – Zwischen theologischer Ästhetik und ästhetischer Theologie 3.1. Pneumatologische und inkarnationstheologische Voraussetzungen 3.2. Theologische Erfahrungslehre als Einübung in die Wahrnehmungsfähigkeit der Schöpfung 3.3. Geerdete Vernunft als inkarnatorische Vernunft 3.4. Lebensgelassenheit 3.5. Metapher und Symbol 3.6. Fazit 4. Eilert Herms – „Die Sprache der Bilder und die Kirche des Wortes“ 4.1. Zum Verhältnis von Offenbarung und Erfahrung 4.2. Wahrnehmen als Aisthesis des Erlebens 4.3. Szenisches Erinnern als Medium der Offenbarung 4.4. Gebrauchswert als Qualitätskriterium von Kunst 4.5. Fazit III. Der Rezeptionsvollzug des Subjekts. Religiöse Erfahrung als Selbstdeutung endlicher Freiheitserfahrung 1. Wilhelm Gräb – Reflexionssubjektivität als gemeinsamer Konstitutionsort von religiöser und ästhetischer Erfahrung 1.1. Reflexionssubjektivität als Grundlage von Erfahrung 1.2. Religionskultur als Ausdrucksgestalt geglückter Sinndeutungen des Lebens 2. Ulrich Barth – Religiöse und ästhetische Erfahrung 2.1. Die gemeinsame Wurzel religiöser und ästhetischer Erfahrung in funktionaler Perspektive 2.2. Interdependenzen und Differenzen religiöser und ästhetischer Erfahrung 3. Dietrich Korsch – Kultische Darstellung und kulturelle Selbstdeutung 3.1. Die Einheit des Subjekts als Grundlage des Deutungsvorgangs 3.2. Darstellung im Kult 4. Fazit IV. Zusammenfassung Teil A B. Zum Verhältnis von theologischer und ästhetischer Hermeneutik I. Erfahrung als Schlüsselbegriff theologischer und Ästhetischer Hermeneutik 1. „Erfahrung als Kriterium der Theologie“. Theologie – eine Erfahrungswissenschaft 1.1. Der allgemeine Begriff der Erfahrung Exkurs: Grundzüge des Erfahrungsbegriffs in der Philosophie der Neuzeit 1.2. Das Grundproblem der Erfahrung 1.3. Der spezifische Begriff der Erfahrung 1.4. Ergänzung des Erfahrungsbegriffs 2. Erfahrung und Sünde 2.1. Bestimmung der Sündenerfahrung 2.2. Der Sünder als creator secundus 3. Religiöse Erfahrung und Glaubenserfahrung 3.1. Religion und Glaube 3.2. Religiöse Erfahrung als potentielle Glaubenserfahrung 4. Der Begriff der Ästhetischen Erfahrung 5. Zur Möglichkeit einer Strukturanalogie von religiöser und ästhetischer Erfahrung 5.1. Erfahrungsformen 5.2. Wahrnehmung des Atmosphärischen als Grundlage religiöser und ästhetischer Erfahrung 5.3. Der Widerfahrnischarakter und die Passivität 5.4. Der responsorische Charakter der Erfahrung 5.5. Person und Subjekt 5.5.1. Reflexionssubjektivität und Person 5.5.2. Das fragmentarische Subjekt 5.5.3. Die Perspektive der Ersten Person als Bindeglied zwischen religiöser und ästhetischer Erfahrung 5.6. Transzendenzund Immanenz als Grundproblem der Verhältnisbestimmung 5.7. Verweilen und Situativität 6. Inhaltliche Überschneidungen 6.1. Die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium als hermeneutisches Prinzip 6.2. Die Unterscheidung von Erfahrung und Offenbarung als fundamentaltheologisches Prinzip II. Die Relevanz der Ästhetik für eine theologische Hermeneutik 1. Endlichkeit der Vernunft 1.1. Endlichkeit, Dogmatismus und das Recht der Ästhetik 1.2. Die Eindimensionalität der Vernunft 1.3. Reproduktionshermeneutik und Erfahrungshermeneutik 2. Ausdrucksgestalt 2.1. Das Leibliche Wort als Ausdrucksgestalt des Glaubens 2.2. Die Sprachlichkeit der Sprache 2.3. Das Bildhafte des Bildes 2.4. Bildlichkeit der Sprache und Sprachlichkeit der Bilder 2.5. Fiktionalität 3. Deuten oder Verstehen III. Auf dem Weg zu einer theologischen Ästhetik 1. Schönheit als Thema einer theologischen Ästhetik 2. Rezeption als Problem theologischer Ästhetik 3. Wahrnehmung als Grundbegriff theologischer Ästhetik Schlusswort Literatur Sachregister Personenregister
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