Vom Denken der Natur zur Natur des Denkens: Ibn Baggas Theorie der Potenz als Grundlegung der Psychologie
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Die bisher gängige Trennung zwischen bloß kommentierenden naturphilosophischen und originellen intellekttheoretischen Schriften hat zu einem verzerrten Bild der Philosophie des andalusisch-arabischen Denkers Ibn Bagga (gest. 1139) geführt. Insbesondere seine vielbeachtete Seelenlehre, durch deren entscheidenden Einfluss auf seinen Nachfolger, den Kommentator Averroes, Ibn Bagga auch auf die abendländische Philosophie gewirkt hat, kann nur unter Berücksichtigung des Gesamtwerkes angemessen verstanden werden. Die vorliegende Studie zeigt im Ausgang vom editorisch wesentlich verbesserten Text seines De anima-Kommentars, Kitab al-nafs, mittels einer durch das gesamte Œuvre hindurchgehenden Analyse des zentralen Begriffs der Potenz bzw. des Vermögens, dass Ibn Bagga die Psychologie im Sinne des Aristoteles konsequent als Naturwissenschaft konzipiert und auf naturphilosophischen Prinzipien aufbaut. Gleichzeitig erweist er sie als Fundamentalwissenschaft, die aufdeckt, dass und wie diese Prinzipien auf den Intellekt als auf ein übergeordnetes Prinzip bezogen sind. Indem er sie vollendet, begründet der reine Akt des Intellekts die natürlichen Prinzipien und Potenzen. So geht die Erkenntnis den Weg vom Denken der Natur zur Natur des Denkens. Inhaltsverzeichnis Einleitung i. Zielsetzung ii. Ibn Bagga: Leben und Werk im Überblick Kontext und Bildungsgang Forschungsfelder Die Abhandlungen iii. Das Buch der Seele Überlieferung und Datierung Vollständigkeit Aufb au Edition iv. Leitlinien für eine neue Lektüre Das Bild Ibn Baggas bei seinen andalusischen Nachfolgern Die Fehlinterpretation Alexander Altmanns Die Spaltung von Ibn Baggas Werk Forschungsstand zum Buch der Seele Textgatt ung und Vorlagen Stellung im Gesamtwerk v. Vorgehen - Inhaltsübersicht I. Ibn Baggas Aristotelismus und der Status der Psychologie 1. Aristotelische Philosophie im Umfeld Ibn Baggas 1. Abd al-Ra?man Ibn Sayyid: Die Rolle der mathematischen Disziplinen 2. Abu l-Fa?l ?asdai: Anfänge des Aristotelismus 2.1. Abu l-Fa?l ?asdai als Schlüsselfi gur in ?a?id al-Andalusis Wissenschaft sgeschichte 2.2. ?a'ids Aristotelesbild 3. Malik Ibn Wuhaib: Die soziale Lage der Philosophie 2. Ibn Baggas Begriff der Philosophie 1. Das Verhältnis von Th eorie und Praxis 2. Von Aristoteles’ »Vortreffl ichem« zu Ibn Baggas »Einsamen« 3. Philosophie als Naturanlage (fit ra) 4. Gött lich oder menschlich? Das philosophische Ideal 3. Aristotelische Psychologie als Fundamentalwissenschaft 1. Der Status der Psychologie 1.1. Von Aristoteles zu Th emistios 1.2. Ibn Bagga über die Stellung der Psychologie 1.3. Exkurs: Die Ordnung der Wissenschaft en bei al-Farabi 1.4. Psychologie als Natur- und Fundamentalwissenschaft 2. Der Gegenstand der Psychologie II. Der Begriff der Potenz und die Methode der Psychologie 4. Der Vermögensbegriff in der Psychologie 1. Aristoteles: Die Seele ist ihre Vermögen 2. Ibn Bagga: Die Psychologie untersucht in einer Vollkommenheitsordnung stehende Potenzen 5. Die Defi nition der Seele 1. Die Evidenz der Seele als Prinzip des Lebendigen 2. Im Gefolge Alexanders: Der Weg zur allgemeinen Seelendefi nition 2.1. Potenzen als konstitutive Prinzipien 2.2. Einteilung und Zusammensetzung: Die Physik als Richtschnur 2.3. Aristoteles’ Verbesserung Platons: Die Seele als Bewegungsprinzip 2.4. Die zentrale Rolle der Potenz in drei Problemfeldern der Psychologie: Struktur, Konstitution, Bewegung 3. Die Wissenschaft stheorie al-Farabis: Welches Wissen von der Seele? 3.1. Methodische Probleme der Seelendefi nition 3.2. Amphibolie und Gatt ungsbegriff 3.3. In seiner Stellung veränderter Beweis 3.4. Die Methode der Zusammensetzung 3.5. Die drei Defi nitionen der Seele 6. Allgemeine Seelendefi nition und Bestimmung seelischer Potenzen 1. Seele als Form eines organischen Körpers 2. Seele als erste Entelechie III. Potenztheoretische Grundlagen der Psychologie Ibn Baggas 7. Bewegungstheorie 1. Bewegung, Potenz und Vollendung 2. Die Ortsbewegung der Elemente 2.1. Ibn Baggas kontinuierliche Auslegung von Physik VIII. 4 Exposition des Problems Aristoteles’ Erklärung Ibn Baggas vorläufi ge Rekonstruktion der aristotelischen Lösung 2.2. Philoponos’ Kritik an der aristotelischen Bewegungslehre Philoponos’ Kritik al-Farabis Antwort in seiner Schrift Die veränderlich en Seienden Ibn Baggas eigene Frage 2.3. Ibn Bagga und die Natur der Elemente als ihr Bewegungsprinzip Die Lösung im Entwurf Beweger und Bewegtes Akzidentell und doch natürlich Ortsbewegung und Potenz-Akt-Spannung 3. Interaktion und Erschöpfung 4. Die Bewegung der Lebewesen 8. Aktive und passive Potenzen als universelle Erklärungsprinzipien 1. Grundlagen 1.1. Kinetische und ontologische Bestimmung der Potenz 1.2. Typologie der Potenzen 1.3. Potenz und reiner Akt 1.4. Gegen Shlomo Pines’ »Dynamik« 2. Konstitution und Funktion der Elemente 2.1. Primäre Potenzen in verschiedenen Perspektiven 2.2. Die primären Potenzen als solche – drei Aspekte 3. Ortsbewegung und Kontakt 4. Veränderung und Mischung 4.1. Eine Potenz zur Mischung 4.2. Der Prozess der Mischung 4.3. »Eine zusammengesetzte mitt lere Potenz« 4.4. Die ausgewogene Mischung 4.5. Dynamisierung der Potenztheorie 9. Seele als Form der Mischung 1. Alexanders Emergenztheorie 2. Sine extrinseco motore? Seele als Ursache und Produkt der Mischung 3. Mischung und die Aufnahme der Form: Integratives Modell materieller und formaler Genese 4. Die Wesensform und die Ordnung der Potenzen 10. Der Organismus: Ein System von Potenzen 1. Ontologie der Organe 2. »Die Organe folgen den Potenzen« 3. Die ekstatische Ontologie der Seele 4. Die Seele ist keine »ununterschiedene Gesamtheit« 11. »Träger der Seele«: Pneuma und angeborene Wärme als Bindeglied zwischen Physiologie und Psychologie 1. Problemaufriss 2. Die physiologische Funktion von angeborener Wärme und Pneuma 2.1. Wärme in der unbelebten Natur 2.2. Erzeugung und Erhalt des Organismus 2.3. Ursprung der angeborenen Wärme 2.4. Die Diff erenzierung von Organen und Spezies 2.5. Pneuma und Bewegung 2.6. Pneuma und Wahrnehmung 3. Pneuma und »Spiritualität«: Seele und Körper zwischen Distanz und Einheit 3.1. Der Begriff des »Spirituellen« (ru?ani) 3.2. Das Pneuma: Seelenwagen oder bewegliche Form? 3.3. Die angeborene Wärme als »erstes Organ« und die Einheit des Leibes 4. Das Wirken der angeborenen Wärme: Physiologischer Prozess und psychischer Akt 12. Seelische Potenzen und ihre Objekte 1. Seelenvermögen als aktive und passive Potenzen 2. Die Grenzstellung des Nährvermögens 3. Das Wirken passiver Potenzen 4. Die Potenz des Objekts 13. Die Notwendigkeit einer unendlichen Potenz: Der aktive Intellekt 1. Die unendliche Potenz als Ursache der Erkenntnis 1.1. Unendliche Erkenntnisse 1.2. Unendliche Potenzen. Die Kosmologie als Vorbild 1.3. Der aktive Intellekt: Separate Substanz und aktive Potenz 2. Die unendliche Potenz als Gegenstand der Erkenntnis 2.1. Der aktive Intellekt als Ursache und Vollendung 2.2. Der aktive Intellekt als Vollendung aller Potenzen 2.3. Die Erkenntnis der unendlichen Potenz 14. Die Potenzstruktur der Wissenschaft 1. Die »Mischung« der Intelligibilia und die Rolle der Vorstellungen 2. Intelligibilia als aktive und passive Potenzen 3. Wissenschaft en als Potenzen 3.1. Wissenschaft licher Habitus als »beweisende Potenz« 3.2. Der Aufb au der wissenschaft lichen Disziplinen 4. Die Potenz der Psychologie Schlussbetrachtung i. Ertrag ii. Ausblick Anhang i. Deutsche Übersetzung des Kitab al-nafs ii. Bibliographie iii. Register der zitierten Texte iv. Register der zitierten Handschrift en v. Namensregister vi. Register der arabischen Begriff e
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