Der Anfang des westlichen Rechts: Die Christianisierung der römischen Rechtskultur und die Entstehung des universalen Rechts
Book information
Description
Karl-Heinz Ladeur entwickelt eine von der Rechtstheorie bestimmte neue Perspektive auf die römische Rechtskultur der Spätantike und deren Wandel im Prozess der Christianisierung. Damit gewichtet er auch die Bedeutung der Spätantike für die Herausbildung des neuzeitlichen Rechtsverständnisses anders. Die drei Gründungsorte der westlichen Rechtskultur, Jerusalem, Athen und Rom, bilden den Ursprung der Unruhe, die deren Evolution geprägt hat. Deren paradoxe "longue durée" hat Unterbrechungen nicht verhindert, aber die produktive wechselseitige Irritation zwischen Religion, Philosophie und Recht nie abgebrochen. Dadurch ist eine unfertige, unvollständige Rechtskultur ohne Einheit entstanden, die auf die Beobachtung und Ermöglichung des Wissens von der Welt eingestellt war. Die Bedingungen der Möglichkeit des subjektiven Rechts, der Rechtsperson, des universalen Rechts, sind in dieser Zeit entstanden. Cover Vorwort Inhalt Einleitung I. Die römische Rechtskultur und ihre Vorleistungen für die Entstehung des neuzeitlichen Rechtsdenkens 1. Das römische Recht und die Anfänge der Ausdifferenzierung des Rechts a) Gesetz und Recht in Rom und Athen b) Die „epistemische Revolution“ (A. Schiavone) des römischen Rechts c) Die Fiktion als Grundfigur des Rechts – das Operieren mit Vereinfachungen d) Die Grenzen der internen Ausdifferenzierung des Rechts e) Recht – „mos maiorum“ – „exempla“: Die Durchlässigkeit der Grenzen des Rechts f) Die Grenzen der Entwicklung eines Rechtssubjekts in der römischen Rechtskultur 2. Das Recht und die Stadt als Quelle der Dynamik des Wissens a) Die antike Stadt als praktischer Experimentierraum b) Das Andere des römischen Rechts: das Provinzialrecht c) Das multipolare Selbst des antiken Menschen d) Das römische „ius naturale“ 3. Die Kultur des römischen Rechts a) Die kreative Ambiguität der römischen Rechtskultur b) Grenzen der Abstraktionsleistung des römischen Rechts c) Die Notwendigkeit der Selbständerung als Merkmal der antiken Kultur 4. Römisches Recht und Religion – pagan und christlich? a) Was bedeutet die Frage nach den römischen Anfängen des neuzeitlichen westlichen Rechts? b) Die römische Religion c) Die praxisorientierte Seite der paganen Religion und ihre Grenzen im Angesicht der Expansion des römischen Reiches II. Die griechische Philosophie und das neuzeitliche Subjekt 1. Die griechische Philosophie a) Die Entfernung der Philosophie von der Religion – ein Beitrag zur multipolaren kulturellen Ordnung b) Der Anfang der Arbeit am Selbst in Griechenland 2. Inkurs zu Foucault a) Das Subjekt bei Foucault b) Das Subjekt und das praktische Register des Wissens der Gesellschaft c) War die Antike weniger sexualfeindlich? d) Foucault und die Geschichte der Subjektivität e) Die Multipolarität des Wissens und der „anonymen Konventionen“ (Descombes) der Gesellschaft f) Die Einheit der Macht, der Souveränität und des Subjekts – eine Handlungen ermöglichende Fiktion g) Foucault und die Geschichtsschreibung III. Die Christianisierung der römischen Rechtskultur und die Romanisierung des Christentums 1. Was heißt Christianisierung? a) Das Christentum als „unfertige Religion“ – Voraussetzung für die Änderung der römischen Kultur und der Selbständerung des Christentums b) Die wechselseitige Abstützung von römischer Kultur und Christianisierung c) Das Christentum und das römische Recht 2. Christentum – Kirche – Staat a) Christliches Weltverständnis und antike Kosmologie b) Das Christentum und die Sicherung der „Weltheimischkeit“ des spätantiken Menschen c) Die theologische Normalisierung des „persönlichen Schöpfergottes“ d) Der böse Schein der Welt und der gute Gott – das Problem der Häresien e) Der Wandel des Wissens und der „kulturellen Grammatik“ durch das „Studium“ der heiligen Bücher f) Das Buch des Lebens – und das Leben nach dem Buch 3. Das neue christliche Subjekt a) Augustinus und die Christianisierung der Philosophie b) Das christliche Selbst als Prozess c) Das Wechselverhältnis von Christentum und griechischer Philosophie d) Die weltliche Rolle der Kirche und der Bischöfe IV. Das römische Recht in der Spätantike und die Germanisierung der römischen Rechtskultur 1. Das römische Recht in der Spätantike a) Der Codex-Gedanke b) Ostrom und der Gedanke an ein universalistisches Recht 2. Das römische Recht und die Germanisierung a) Die „Romanitas“ ohne Zentrum b) Das „Einfrieren“ des römischen Rechts und das Papsttum als Platzhalter des kommenden Staates c) Die Schwächung des römischen Rechts im Prozess der Germanisierung 3. Das Christentum und sein Übergang ins Mittelalter a) Die Kirche als Erbin der römischen Rechtskultur b) Das Papsttum als Platzhalter des kommenden Souveräns c) Von Paulus’ Antilegalismus zur kirchlichen Scholastik d) Die Aufbewahrung des römischen Rechts durch die Kirche e) Die produktive Rolle der Germanisierung des römischen Rechts V. Das Christentum im Mittelalter und die Spätfolgen der Germanisierung der römischen Rechtskultur 1. Germanisierung des römischen Reiches und das Christentum a) Zum Vergleich von Christianisierung und Germanisierung des römischen Rechts b) Die Germanisierung der Rechtskultur und die Krise der Städte 2 Die germanische Rechtsordnung im Mittelalter a) Bischöfe als Träger einer Ersatzverwaltung b) Die Herrschaft der Karolinger und der Merowinger und ihr Recht Zwischenbemerkung zur Methode VI. Die Wiedergewinnung der Varietät der römischen Rechtskultur im Mittelalter 1. Der Übergang zum kanonischen Recht des Mittelalters und der Aufschwung des römischen Rechts a) Die Bedeutung des kanonischen Rechts für den Übergang zum neuzeitlichen westlichen Recht b) Der Wiederaufschwung des römischen Rechts und die städtische Kultur 2. Fragmentierung als Chance und Problem a) Die Wiedergewinnung der Varietät der römischen Rechtskultur b) Ohne Scholastik kein neuzeitliches Recht! 3. Der Übergang zum Mittelalter und die Anfänge des subjektiven Rechts a) Der Niedergang der Wirtschaft und der Niedergang des Respekts vor der Würde des Menschen b) Die Scholastik als eingelagerte Form der Rationalität des Rechts c) Voraussetzung des Aufschwungs des römischen Rechts im 10. Jahrhundert d) Ohne das eingelagerte römische Recht keine neuzeitliche Entwicklung e) Kein subjektives Recht ohne „Anfang“ VII. Christianisierung – Arbeit – Subjekt – Vorleistungen für die Neuzeit 1. Die Christianisierung des römischen Rechts und die Vorstellung einer gesellschaftlichen Seite des Rechtssubjekts 2. Bedingungen des Aufschwungs der römisch-christlichen Kultur in der Renaissance VIII. Ausblicke Ausblick 1: Das auf immer unfertige Subjekt Ausblick 2: Kein „Anfang“ ohne ein „Vorher“ Ausblick 3: Die bleibende Irritation des römischen Rechts und die Vielfalt seiner Lesarten Literatur Sachregister
Similar books
Public Governance in the Age of Globalization
2004 · EPUB
Der Anfang des westlichen Rechts. Die Christianisierung der römischen Rechtskultur und die Entstehung des universalen Rechts
2018 · PDF
Die Kunst, alle animalischen und vegetabilischen Substanzen, nähmlich alle Gattungen Fleisch, Geflügel, Wildpret, Fische, Zugemüse, Küchen- und Arzneygewächse, Früchte, Sulzen, Säfte; ferner Bier, schon zum Genusse völlig bereiteten Kaffeh, Thee u.s.w., in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten : eine der nützlichsten Erfindungen von H. Appert in Paris, die nicht allein für die kleinste Haushaltung ohne allen Kostenaufwand anwendbar, und deßwegen ein unentbehrlicher, noch nie gegebener Anhang zu allen Koch- und Wirthschaftsbüchern ist, sondern auch die größten nur denkbaren Vortheile für Hospitäler, Armeen, Flotten etc. etc. gewährt, und wegen ihrer Gemeinnützigkeit von der französischen Regierung mit 12.000 Franken belohnt wurde
1832 · PDF
Geschichte des Rechtsstreits zwischen der ältern und jüngern Linie des Fürstenhauses Anhalt-Bernburg. Band 3, Abteilung 1 Commentar zu den Gründen des, den Beytritt der vertretenen Streitgenossen, zu der von den unvertretenen erhobenen Nichtigskeitsquerel, abweisenden ersten Instanzurtheils vom 25sten November 1820: Fortgesetze Betrachtungen über die Natur einer prozessualischen Streitgenossenschaft, und über die Untheilbarkeit eines Verfahrens und Urtheils, den der Untheilbarkeit der Thatsachen und des Streitgegenstandes
1822 · PDF
Oeconomia. Oder Haußbuch : Zum Calendario Oeconomico & perpetuo gehörig. 1 Darinnen begriffen vnnd außführlichen erkleret ist, Wie ein Hauswirth, nach dem ihn Gott der Allmechtige gesegnet, ferner seine Nahrung nechst Gott anstellen sol, auch fruchtbarlichen geniessen vnd gebrauchen : Alldieweil in solchem angezeigt wird, wie ein Haußwirth erstlich sein Gesinde wol regieren sol, hernach, von allerley sachen zur Haußhaltung gehörig, Als von Brawen, Backen, Bleichen, Weinbergern, Gärten, Höltzung, Ackerbaw, Viehzucht, Jagten, Fisch vnd Vogelfang, Endlich von einer Haußartzney oder Haußapotecken vor den gemeinen Man.
1600 · PDF
Neu-gefundenes Eden., Oder:, Aussführlicher Bericht von Sud- und Nord-Carolina, Pensilphania, Mary Land, & Virginia. : Entworffen durch zwey in dise Provintzen gemachten Reisen, Reiss-Journal, und ville Brieffen, dardurch der gegenwärtige Zustand diser Länderen warhafftig entdecket, und dem Nebenmenschen zu Gutem an Tag gelegt wird. Samt beygefügtem Anhang, oder freye Unterweisung zu dem verlohrnen, nun aber wieder gefundenen Lapide Philosophorum, dardurch man bald zur Vergnügung, und wahrer [sic] Reichthum gelangen kan
1737 · PDF
Der nordamerikanische Freistaat Texas : ein Handbuch für solche, die dahin, insbesondere aber nach dem der deutschen Colonisationsgesellschaft für Texas angehörigen, in der County Berar gelegenen Landbezirk auswandern wollen : Nachricht über due Geschichte, Verfassung, Lage, Klima, Beschaffenheit des Landes, Gewerbe, Ackerbau, Viehzucht, Handel, Verkehr, Zinsfuss, Strassen ... sodann die deutschen Colonisationsgesellschaft nebst ihrem Programme, so wie den durchaus nöthigen Belehrungen und Anweisungen der Auswanderer über die Vorbereitungen zur Reise, während derselben und im Lande selbst
1848 · PDF
Internationales Wörterbuch der Lederwirtschaft / International Dictionary of the Leather and Allied Trades / Dictionnaire International des Cuirs et Peaux et de leurs Dérivés / Vocabulario Internacional de la Industria y del Comercio de Cueros / Vocabolario Internazionale dell’Industria e del Commercio del Cuoio / Международный кожевенно-технический словарь: Deutsch — Englisch — Französisch — Spanisch — Italienisch — Russisch / German — English — French — Spanish — Italian / Allemand — Anglais — Français — Espagnol — Italien / Alemán — Inglés — Francés — Español — Italiano / Tedesco — Inglese — Francese — Spagnolo — Italiano / на немецком — английском — французском — испанском итальянском — русском языках
1968 · PDF