Sedna oder Die Liebe zum Leben
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2. AuflageEthnologische Faszinationsgeschichte menschlicher Wildbeuterkulturen mit besonderen Augenmerk auf regenerative Mythen und Rituale. Zudem kritische Reflektion modernerer Weltauffassungen, die von Lebenszyklen entfremdet sind. Welche Kulturen haben das Leben geliebt und welche haben es gehaßt? Unter welchen Voraussetzungen bilden sich optimistische Weltanschauungen heraus und unter welchen Bedingungen schlägt dieser Optimismus in Pessimismus, Lebenshaß und Weltflucht um? In welcher Weise prägen diese Weltanschauungen die Geschichte der Menschheit? In welcher Beziehung stehen die gegenwärtigen Intellcktuellen-ldeologien zu den menschheitsgeschichtlich relevanten Weltanschauungen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des neuen Buches von Hans Peter Duerr, in dem er eine Geschichte und Ethnographie der Weltbilder entwirft. Diese Rekonstruktion reicht von der Ideologie der· altsteinzeitlichcn Mammutjäger über die neolithischen und bronzezeitlichen Ackerbaukulturen bis zu den griechischen Mysterienreligionen, von den Weltbildern der gestrigen und heutigen Wildbeuter bis zu den süd- und ostasiatischen Befreiungsreligionen - also von den historischen Weltflucht- bzw. Jenseitsreligionen bis zu den aktuellen Weltverneinungslehren. Die Jäger und Sammlerinnen hatten kein ungebrochenes »Urvertrauen« in die ewigen Kreisläufe der Natur, in die ewige Wiederkehr des Gleichen - ein solches Vertrauen hat es in der menschlichen Geschichte nie gegeben -, doch die Existenzbedrohung bestimmte ihr Lebensgefühl nicht in grundlegender Weise. Freilich entstand bereits in der Altsteinzeit ein Riß in der Selbstverständlichkeit des Daseins, ein Riß, der sich stetig vergrößerte. Der Verlust jener Selbstverständlichkeit wurde immer schmerzhafter empfunden, die Spannungen des Lebens - und damit das Leben überhaupt - schienen immer unerträglicher zu werden. War eben noch die Perspektive der ewigen Wiederkehr des Gleichen beruhigend oder sogar beglückend, erscheint sie nunmehr als die Hölle - sie wandelt sich zur Perspektive der ewigen Wiederkehr des Leidens. Und auch das Glück lindert den Schmerz nicht mehr, weil jedes Licht einen Schatten wirft und der Schmerz die Schattenseite des Glücks ist. Hans Peter Duerr beschreibt, wie aus dieser Situation heraus zwei grundlegende Befreiungsstrategien entworfen wurden, die Nietzsche die bisher gefährlichsten Attentate auf das Leben nannte: die Jenseitsreligionen einerseits, die Weltfluchtreligionen andererseits. Die Nachfolgeideologien dieser Befreiungsreligionen prägten in den folgenden zweitausend Jahren das Gesicht dieses Planeten. Hans Peter Duerr versteht das vorliegende Buch weder als eine »biophile Ethik« noch als eine Art »Philosophie der Grünen«. Nur beschreiben will er, um zu zeigen: so war und ist das menschliche Leben.
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