Das Sinngedicht I
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Gottfried Keller wurde von den Verlegern, mit denen er in Berührung stand, als äußerst säumiger Autor bezeichnet. Auch alles Drängen half nicht, ihn zu systematischer Arbeit zu zwingen und Konventionalstrafen und ähnliche Drohungen besserten ihn in dieser Beziehung nicht im geringsten. Viele seiner größeren Werke erschienen zuerst fortsetzungsweise in der Deutschen Rundschau und der bedauernswerte Herausgeber dieser Zeitschrift mag dank Kellers Säumigkeit oftmals unruhige Nächte gehabt haben. Ja, man darf es ruhig rund heraus sagen: Keller war in seinem künstlerischen Schaffen träge bis zur Gleichgültigkeit wie so mancher große Künstler und verlor er erst einmal die Lust an einem begonnenen Werk, dann konnte es viele Jahre als Fragment in irgend einem verborgenen Schub seines Arbeitstisches liegen, bis ihn schließlich äußere Einflüsse, die ihn vielleicht an das eine oder andere Thema einer Arbeit erinnerten, veranlaßten, die unfertige Dichtung endlich zu vollenden. Auch das Sinngedicht, welches zuerst den Titel „Galatee" führen sollte, teilte das Schicksal der literarischen Stiefkinder Kellers und der Dichter selbst gibt dies in mehr als einem seiner Briefe über dieses Werk zu.
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