GERMAN

Ethik in der Ergotherapie

Book information

Publisher
Springer-Verlag Berlin Heidelberg
Year
2004
ISBN
978-3-540-67699-7, 978-3-642-18608-0
DOI
10.1007/978-3-642-18608-0
Language
german
Format
PDF
Filesize
17 MB (17323481 bytes)
Series
Ergotherapie — Reflexion und Analyse
Edition
1
Pages
210\213
Time added
2013-12-12 02:00:00

Description

Das Buch versteht sich als fragmentarischer Sammelband, als behutsamer Versuch, in einer "vorläufigen Annäherung" (S. 2) mit "Etappenresultaten" (S. 188) zu einem Diskurs über Ethik in der Ergotherapie und einer selbstverantwortlichen Reflexion einzuladen (S. XI). Ein Geleitwort von Pip Higman (Professorin für Ergotherapie) weist - wie andere Aussagen im Buch - auf die europäische Verflechtung der Disziplin und die Notwendigkeit hin, als Schritt der Professionalisierung auch über Grundlagen ihres Tuns nachzudenken. Dieses Buch trägt dazu sehr kompetent bei. Kapitel 1 beschäftigt sich mit Grundsatzfragen der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und der daraus erwachsenden Notwendigkeit, sich Fragen zu Werten und Menschenbild auch in der Ergotherapie zu stellen. Lobenswert ist der Denkansatz der "reflektierten Aufmerksamkeit" für andere Einstellungen und Wertvorstellungen (S. 9), der die Diskursbereitschaft unterstreicht. Hier werden wie weiterhin im ganzen Buch - die Bedeutung des kasuistischen Zugangs zu ethischen Problemen und die selbstkritische, öffentliche Diskussion betont (S. 10). Bei der skizzenhaften Darstellung der Entwicklung der Bundesrepublik wäre die Einbindung der Entwicklung der Ergotherapie seit ihrer Einführung 1947 eine gute Ergänzung gewesen. In Kapitel 2 werden Definitionen, Aufgaben und Abgrenzungen ethischer Begriffe und Theorien dargelegt. Das Grundlagenkapitel ist wichtig. Klare Begriffe sind nötig, da leicht alles vermischt wird und viele meinen, Ethik erschöpfe sich darin, eine persönliche Meinung zu äußern, und da das jeder könne, brauche man es nicht besonders zu lernen oder zu erforschen. Richtig werden die engen Verknüpfungen zu anderen Disziplinen herausgestellt, dabei aber auch die Unterschiede genannt. Die verschiedenen Theorieansätze (S. 26 f), Begründungsmethoden (S.33) und Ethikfelder sind für die, die sich noch nicht eingehender mit Ethik beschäftigt haben, allerdings nicht leicht zu verstehen. Verwirrend wird das, wenn in den folgenden Kapiteln die Grundsatzthemen auch von den anderen Autorinnen entfaltet werden, oft mit nicht identischen Formulierungen und Inhalten. Das zeigt zwar, dass Ethik kein einheitliches System darstellt, sondern in Reflexion und Diskurs erklärt werden muss (S. 33), stellt aber einen Schwachpunkt für eine Einführung dar. Die Aufgaben von Ethikkommissionen als Einrichtungen der Forschungsberatung und Ethikkomitees für konkrete Entscheidungskonflikte, die auch von Ergotherapeutinnen oder deren Klienten zur Konfliktlösung in Anspruch genommen werden könnten, werden nicht deutlich voneinander differenziert (S. 30 f). Die darauf bezogenen Ausführungen sind daher wenig hilfreich. Kapitel 3 beschäftigt sich eingehend mit "Geschichte und Charakter des Ergotherapeutischen Berufskodex", der im Anhang des Buches abgedruckt ist (S. 181 ff). Die Entstehungsgeschichte, die Vergleiche mit Kodizes aus den Ergotherapieverbänden anderer Länder sowie seine aus Sicht der Autorin völlig unzureichende Wirkung für das Selbstverständnis und die Ausbildung in der Ergotherapie werden engagiert entfaltet. Ein Berufskodex ist Zeichen der Professionalisierung einer Berufsgruppe, die im Falle der Ergotherapie noch nicht zufriedenstellend erreicht ist. Ein berufspolitisch brisantes Beispiel (S. 51) soll aufzeigen, welchen Wert der Kodex haben könnte. Die Autorin fordert seine Überarbeitung, die 2005 als "Ethikkodex und Standards zur beruflichen Praxis der Ergotherapie" veröffentlicht wurde, sowie eine zentrale AnlaufsteIle für moralische und ethische Fragen des Berufsalltags. Ethische Fragen gehören bereits in die Ausbildung. Das fordert die Autorin des Kapitels 4 zu Recht.

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