Selbstzerstörung: Psychoanalyse des Selbstmords
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In den letzten Jahren hat das Interesse an der wissenschaftlichen Erforschung des Selbstmords hierzulande deutlich zugenommen - und ganz gewiß beschränkt sich solches Interesse nicht bloß auf die Wissenschaften. Die große soziologische Untersuchung Emile Dürkheims (deutsch 1974), der brillant-polemische Essay Jean Amerys und Karl Menningers Selbstzerstörung, so unterschiedlich von Ansatz und Intention her diese Bücher sonst sein mögen, sind ein Index für die Sensibilität, mit welcher das Problem des Selbstmords als gesellschaftliche Provokation, als irritierende Herausforderung an den »common sense« wahrgenommen wird. Menninger arbeitet mit einem Konzept, das es erlaubt, Selbstmordhandlungen unter drei »typischen« Aspekten zu analysieren: unter dem Aspekt chronischer, lokaler und organischer Selbstzerstörung. Für Menninger resultieren selbstzerstörerische Handlungen aus jeweils unterschiedlichen Motiven, nämlich aus dem Wunsch zu töten, dem Wunsch, getötet zu werden, und dem Wunsch zu sterben. Freuds späte Hypothese von der Existenz eines Todestriebs hat bei dieser Konzeptualisierung des Selbstmords Pate gestanden.
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