Valenzen des Lachens in der Vormoderne (1250-1750)
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Das Lachen war oft Gegenstand theoretischer Reflexion. Untersuchungen zu den spezifischen historischen Konstellationen des Lachens in der Vormoderne fehlen dagegen fast ganz. Diesem Defizit ist der vorliegende Band gewidmet. Über das Lachen lässt sich historisches Selbstverständnis erschließen. Werte und Tabus treten in politischen, historiographischen, literarischen und brieflichen Zeugnissen, die mit dem Lachen befasst sind, in besonders prägnanter Weise hervor. Das Lachen ist eine Form der Kommunikation und sozialen Interaktion, die nicht nur durch Instrumentalisierung in der Propaganda neue Identitäten schaffen und festigen kann. Lachen dient als Machtinstrument, trägt zur gruppeninternen Verständigung bei und ist ein Mittel der Sinnstiftung. Die hier versammelten Beiträge untersuchen die Valenzen des Lachens empirisch und in interdisziplinärer Perspektive vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Exemplarische Studien loten so das Potential einer historischen Erforschung des Lachens aus. Einleitung 11 Theoretische Perspektiven auf das Lachen und seine Handlungspotentiale Gun-Britt Kohler / Karneval und kultureller Raum. Überlegungen zu Bachtins Konzept des Lachens 29 Gerrit Walther / Das Lächeln der Klio 53 Theresa Hamilton / Der 'Mechanismus' des Humors. Eine linguistisch-narratologische Diskussion humoristischer Erzählungen an der Schnittstelle von Vormoderne und Moderne 71 Lachen als Sinnstiftung in literarischen Texten Stefan Seeber / Valenzen des Lachens in den Tristanbearbeitungen Eilharts und Gottfrieds 99 Andrea Grafetstätter / Der Held als Witzfigur: Artus und Dietrich im Spätmittelalter 117 Sebastian Coxon / Hehe! Überlegungen zum erzählten Lachen in 'Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel' 143 Das Lachen in gruppeninterner Kommunikation gelehrter Kulturen Arnold Becker / Die humanistische Lachgemeinschaft und ihre Grenzen. Hutten, Erasmus und ihr Streit über die 'Epistolae obscurorum virorum' 165 Anja Grebe / Der Künstler als Komiker. Albrecht Dürers Selbstbildnisse und die Lachkultur des Humanismus 187 Sebastian Kühn / Gesellig, agonal, distanzierend. Formen des Lachens in gelehrten Kulturen um 1700 211 Identitätsbildung und Abgrenzung durch Lachen Harald Bollbuck / Lachen für den wahren Glauben. Lutherische Pasquillen im publizistischen Diskurs der Interimszeit 241 Hans Peter Pökel / Ernst und Scherz in der klassischen arabischen Literatur. Überlegungen zu einem wirkmächtigen Konzept am Beispiel von al-Gahiz (gest. 869) 269 Chiara Lastraioli / Über das Wissen des Anderen lachen. Ein medizinischer Streit im Frankreich des 16. Jahrhunderts 285 Susanne Lachenicht / Lachen, Satire und Protestantismus in England (16.–18. Jahrhundert) 315 Eckart Schörle / Die Erfindung des 'guten' Lachens. Lachdebatten zwischen 1650 und 1750 329 Das Lachen als Machtinstrument Georg Jostkleigrewe / Politisches Argument, Propagandainstrument, Waffe? Überlegungen zur Öffentlichkeit des Lachens im Mittelalter 355 Heinrich Lang / Das Gelächter der Macht in der Republik. Cosimo de’ Medici 'il vecchio' (1389–1464) als verhüllter Herrscher in Fazetien und Viten Florentiner Autoren 385 Reinhard Hennig / Das Lachen der Könige in den altnordischen 'Konunga sögur' 409 Hiram Kümper / Sexualität - Gewalt - Humor 437
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