Fünfzehn Millionen beleidigte Deutsche oder Woher kommt die CDU?
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Der Minister verlor die Geduld: "Diejenigen, die diese beiden Weltkriege und die darauffolgenden Inflationen zu verantworten haben, stehen Ihnen geistig näher als der SPD." Die Opposition zog aus. Seit der Strauß-Affäre 1962 hat kaum eine Äußerung eines deutschen Ministers so große Erregung hervorgerufen wie dieser Satz, den Alex Möller am 23. September 1970 während der Haushaltsdebatte im Bundestag sagte. Bei genauerem Hinsehen erweist sich der Auszug der Unionsparteien und die historische Schelte der Springer-Blätter als Heuchelei. Möller hatte recht. Sein Satz war die Quintessenz der Ergebnisse der jüngeren deutschen Geschichtsschreibung. Möller hat die Historiker, die Politologen und vor allem die Fakten auf seiner Seite. Angesprochen ist das heikle Problem der Kontinuität der bürgerlichen Kräfte in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der Auszug aus dem Bundestag entlarvt sich als politische Schizophrenie: Ein Vierteljahrhundert lang gingen CDU und CSU als konservative Parteien mit dem Pathos der traditionsbewahrenden Kraft auf Stimmenfang. Sie mobilisierten nationalkonservative Ressentiments und Vorurteile, sie verketzerten Andersdenkende und taten nun empört, als einer die Wahrheit sagte. Mit den hier gesammelten Beiträgen der für das Thema maßgebenden deutschen Historiker - Fritz Fischer, Arthur Rosenberg, Reinhard Kühnl, Kurt Sontheimer u.a. - treten die beiden Herausgeber des vorliegenden Bandes, Imanuel Geiß und Volker Ullrich, die Beweisführung an: Die Kriegsziele der bürgerlichen Parteien, die Profite der Industrie während der Inflationskatastrophe nach dem Ersten Weltkrieg, die rechten Neigungen des Bürgertums, die Hitler nutzen konnte, und die Epoche der Restauration nach 1945 signalisieren den Wahrheitsgehalt von Möllers Dictum. Imanuel Geiß, geboren 9.2.1931 in Frankfurt, Studium der Geschichte und Anglistik in München und Hamburg, Promotion, Mitarbeit und Habilitation bei Fritz Frischer, Dozent am Historischen Seminar der Universität Hamburg, Mitglied des Gründungssenats für die Universität Bremen. Volker Ullrich, geboren 21.6.1943 in Celle, Studium der Geschichte und Germanistik in Hamburg, 1968 bis 1969 Wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität Hamburg, arbeitet zur Zeit am Abschluss einer Dissertation über die Hamburger Arbeiterbewegung 1913 bis 1919.
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