Griechische Kunstwerke im politischen Leben Roms und Konstantinopels
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Meisterwerke der griechischen Kunst, Statuen und Gemälde, wurden ab republikanischer Zeit in großer Zahl von ihren originalen Standorten nach Rom entführt. Dort schmückten sie öffentliche Orte, genau wie Jahrhunderte später wiederum griechische Kunstwerke, die in die neue Hauptstadt Konstantinopel versetzt wurden. Der vorliegende Band liefert uns eine Fülle an schriftlichen und archäologischen Zeugnissen zu den Werken und ihren neuen Standorten. Die Verfasserin erklärt das Phänomen in einer breiten Perspektive, die von römischen Kunstkriterien zur politischen Kommunikation führt. Zentraler Begriff ist das Decorum, das "Passende", das nach Cicero die stimmige Kombination eines bedeutungsvollen Kontextes mit der Selbstdarstellung des Auftraggebers und den inhaltlichen Aussagen der Werke selbst bezeichnet. Chronologisch fortschreitend ist zu verfolgen, wie die griechischen Kunstwerke als Decorum öffentlicher Orte Roms eingesetzt wurden, von den Tempeln der republikanischen Imperatoren bis zu den komplexen Ausstattungen kaiserzeitlicher Fora. Im Kontext ziviler Aktivitäten und staatlicher Zeremonien vermittelten sie ein weites Spektrum an politischen Werten und Programmausssagen des Herrscherhauses. Die Werke, die ab dem 4. Jh. n. Chr. auf politische Plätze der neuen Hauptstadt versetzt wurden, besaßen noch immer das Potential, die Facetten herrscherlicher Macht und Sieghaftigkeit zur Anschauung zu bringen. Der vergleichende Blick auf Konstantinopel bestätigt die anhaltende Bedeutung von griechischen Werken als adäquatem Schmuck politischer Räume. Erst im 6. Jh. n. Chr. verloren ihre paganen Inhalte jeden Zusammenhang mit dem Weltbild einer christlichen Gesellschaft. Zweifellos waren – so zeigt die Verfasserin – griechische Kunstwerke in der "Emigration" kein Randphänomen, sondern ein wesentlicher Beitrag zum politischen Leben Roms und Konstantinopels. Einführung I. Griechische Kunst in Rom: Beurteilungen in der Antike und Ansätze der Forschung 1. Kunstwerke als Kriegsbeute 2. „Roman museums“? 3. Griechische Kunst und römische Werte 4. Griechische Kunst und römische Kontexte als kommunikatives System 5. Theorie des decorum II. Decorum und „praktischer Sinn“ der Kunstwerke 1. Diskontinuierliche Wahrnehmung: ein Cupido auf dem Forum Romanum 2. Cicero und das ornamentum: angemessene Bilder für kulturelle Räume Ornamentum proprium: Hermathena Musen oder Bacchantinnen: kollektive Vorstellungen vom decorum III. Griechische Kunstwerke und die Feldherren der Republik 1. Ornamenta aus Syrakus und virtus des Claudius Marcellus 2. Der Herakles des Lysipp: Triumph und honos des Fabius Maximus 3. Bildwerke zu imperium und pietas: Quinctius Flamininus und Acilius Glabrio 4. Angemessene Bilder für Räume des Triumphes: Venus, Musen, turma Alexandri Apollo in Circo und die Musen des Philiskos: Spiele und Triumph Die Musen von Ambrakia und die sapientia des Marcus Fulvius Nobilior Die Musen von Thespiai, Venus und die felicitas des Lucullus Caecilius Metellus Macedonicus und Alexander der Große 5. Dionysische Bilder und plebejische Selbstdarstellung: Lucius Mummius 6. Mars in Circo: das kriegerische decorum der Iunii Bruti 7. Achilles und die Domitii Ahenobarbi 8. Eine phidiasische Athena zwischen sapientia, virtus und fortuna IV. Griechische Bildwerke in der ausgehenden Republik 1. Persönliche und politische Motivationen Griechentum und kollektiver Habitus Griechische Bildwerke und Sullas Charisma Der Fetischismus des Verres und anderer Kunstnarren 2. Umwertung der genera im öffentlichen Raum: das Theater des Pompeius im Marsfeld Denkwürdige Frauengestalten Aphrodites Welt: Hetären Aphrodites Welt: Dichterinnen Politisches negotium, Krieg und Imperialismus 3. Medea und Aias auf dem Forum Iulium 4. Ad rem publicam memorandam: griechische Werke der Monumenta Asinii Pollionis Asinius Pollio acris vehementiae und sein Werk Dichte Wahrnehmung: die Kunstwerke der Monumenta Asinii Pollionis Nymphen und Kentauren: Wildheit und Bukolik Triumph und felicitas des Pollio Pollios Gedenken an Caesar Liber Pater und die politische Freiheit Der Farnesische Stier als Monument der ultio V. Griechische Bildwerke imRom des Augustus 1. Bildwerke in der Kultur und Politik nach Actium Zeus, Iuppiter und das imperium Octavians Griechische Bildwerke als non enarrabile textum: der Schild des Vulcan bei Vergil 2. Die Aphrodite Anadyomene des Apelles und Divus Caesar 3. Siege und virtutes: griechische Bilder in der Curia Iulia 4. Ornamentum singulare und decorum commune in apollinischen Räumen: griechische Bildwerke auf dem Palatin Octavian auf dem Palatin Konstruktion von Memoria um die Gründung Roms Dichterische Rezeption des decorum: die Danaiden in der Porticus Phoebi Bildwerke im Heiligtum des Apollon Gesellschaftliche Kontexte von Bildwerken: Ludi saeculares Ein ornamentum singulare: Augustus-Apollon in der Bibliothek Eine sozial differenzierte Wahrnehmung des decorum 5. Res gestae und politische Vorbilder im Circus Flaminius Von valetudo zu victoria: das decorum des Apollontempels in Circo Panegyrik in der Porticus Philippi: Hercules, Liber Pater, Alexander puer, Troia Porticus Octaviae: Alexander, Hercules, Venus, Cupido, Liber 6. Helden und Athleten auf dem Marsfeld Saepta Iulia, paideia und Seehelden Olympos und Pan, Chiron und Achill Der Löwe im Stagnum und Agrippa princeps Asiae Athleten am Bad: Agrippa und der Apoxyomenos 7. Augusteische Oikumene: Griechische Bildwerke im Forum Augustum Athena: Zivilisation gegen furor Karyatiden und ethnische Differenz: die Porticus als Romanae spatium Urbis et orbis Principes viri in der Urbs Decorum singulare: Augustus-Alexander VI. Griechische Bildwerke in der Aedes Concordiae Augustae: das semantische Repertoire des Ornamentum am Ende der augusteischen Zeit 1. Der Innenraum: die Wirkung einer simultanen Wahrnehmung 2. Das decorum der Concordia 3. Einzelne semantische Repertoires und Zielvorgaben der Auftraggeber Tiberius, Hestia und Concordia Abwesenheit und reditus des Tiberius: Hercules und Mercurius 4. Die Bildwerke und ihr Ort Mercurius Mars Ceres Minerva, Iuno, Iuppiter: Concordia als Verbund der römischen cives Apollo, Latona und die Strafe des Marsyas Aesculapius und Salus VII. Angemessene Bilder im Templum Pacis 1. Die Funktion des Templum Pacis als Sphäre der pax Flavia 2. Bildwerke als Darstellung der Welt 3. Der Krieg und die Feinde: Römer, Griechen, Barbaren 4. Griechische Bildwerke und politische Legitimation: Ägypten als claustra imperii 5. Alexander im Osten und der siegreiche Imperator 6. Wilde Natur gegen gezähmtes Land Maria temerata: die Skylla des Nikomachos Ialysos: die Jagd als Beherrschung der wilden Natur durch virtus Myrons Bucula: die Tätigkeiten der Menschen in der gezähmten Natur 7. Virtus und Frieden: Athleten und Helden 8. Ganymed des Leochares: imperium und göttlicher favor 9. Venus und das decorum der Pax VIII. Zwischenbilanz: Das semantische Repertoire und der „praktische Sinn“ der griechischen Kunstwerke in Rom 1. Porta Capena und die ornamenta von Syrakus 2. Fabius Maximus und Hercules Cunctator 3. Monumenta und Tempel: Werke und Bauten ex manubiis im 2. Jh. v. Chr 4. Elitäre Wahrnehmung und Rezeption durch die Massen: griechische Bildwerke an zentralen Orten der ausgehenden Republik 5. Griechische Kunstwerke im Rom des Augustus 6. Am Ende des Augustus: die Aedes Concordiae Augustae des Tiberius 7. Griechische Weltkunst im Templum Pacis 8. Eine mögliche Konstante: der „praktische Sinn“ der Kunst IX. Antike Bildwerke in den politischen Räumen Konstantinopels: Forschungsgeschichte 1. Antike Kunstwerke in Konstantinopel zwischen antiquarischer und archäologisch-philologischer Forschung 2. Die Anthropologie des Sehens und der Betrachter als homo religiosus 3. Die antiken Statuen von Konstantinopel und die gespaltene Wahrnehmung des byzantinischen Betrachters 4. Kunstwerke, Sammlungen und die „Stadt als Museum“ 5. Von der „Stadt als Museum“ zum Handlungsraum: das decorum der Bilder X. Alte Bildwerke in einem neuen Stadtraum für Konstantin 1. Antike Statuen in neuen Räumen: die ornamenta der Stadt Konstantins 2. Die Kunstwerke und ihre Aufstellungsorte 3. Das Forum Constantini 4. Alte Kunstwerke in den politischen Räumen der civitas 5. Kaiser, Volk und Oikumene: von den Thermen des Zeuxippos zum Hippodrom 6. Das Hippodrom als Raum römischer Macht: Herakles und mythische Tiere Roms XI. Klassische Bildwerke und theodosianische Oikumene 1. Topographie des Zeremoniells: das decorum der antiken Statuen entlang der Mese 2. Griechische Kunstwerke an der via triumphalis Zitierte Literatur Abbildungsverzeichnis
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