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Reform statt Reformation: Die Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen 1488-1525

Book information

Publisher
JCB Mohr (Paul Siebeck)
Year
2008
ISBN
3161494091, 9783161494093, 9783161585784
Language
german
Format
PDF
Filesize
6 MB (6179888 bytes)
Series
Spätmittelalter, Humanismus, Reformation / Studies in the Late Middle Ages, Humanism, and the Reformation; 41
Pages
715\716
Time added
2023-03-08 16:58:48

Description

Christoph Volkmar untersucht die Zeit der lutherischen Reformation und hinterfragt dabei drei wichtige Erzähltraditionen der Reformationsgeschichte: die Rolle der Fürsten als Förderer der Reformation, das Schicksal der spätmittelalterlichen Reformversuche und die Einordnung einer Schlüsselfigur der Zeit.Im Mittelpunkt der Untersuchung steht Herzog Georg von Sachsen (1471-1539). Dieser gilt als schärfster Gegner Luthers unter den deutschen Fürsten. Um seine Rolle neu zu verstehen, betrachtet der Autor die Genese seiner Politik in den Jahrzehnten vor der Reformation. Welchen Einfluß konnten weltliche Landesherren bereits am Ausgang des Mittelalters auf die Kirche in ihren Territorien ausüben und inwiefern wurden sie zu Förderern kirchlicher Erneuerung?Anschließend zeichnet Christoph Volkmar die Versuche Georgs nach, mit den Machtmitteln des Kirchenregiments die Reformation zu verhindern. Damit wird ein zentrales Erfolgsmodell der Reformation ins Gegenteil verkehrt. Tatsächlich gelang es dem sächsischen Herzog, die Evangelische Bewegung in seinem Territorium einzudämmen und gleichzeitig eine altgläubige Erneuerung nach der Formel 'Reform statt Reformation' voranzutreiben. Von ganz unerwarteter Seite wird so die zentrale Bedeutung der Fürsten für den Erfolg der Reformation erneut herausgestellt. Nicht fernab von Wittenberg, sondern mitten im 'Mutterland der Reformation' werden dabei die Anfänge von katholischer Reform und Gegenreformation sichtbar, die als Alternativen auch in jenem Umfeld präsent blieben, in dem die Reformation zu weltgeschichtlicher Bedeutung emporstieg. Cover Titel Vorwort Inhaltsverzeichnis Einleitung I. Kritik der Forschung 1. Fürsten und Reformation 2. Alternativen zur Reformation, Alternativen zum Tridentinum? Altgläubige Kirchenreform am Beginn des 16. Jahrhunderts 3. Landesherrliche Kirchenpolitik und der Aufstieg des Territorialstaats 4. Vom langen Schatten der Reformation: Georg der Bärtige im Urteil der Nachwelt II. Die Kirchenpolitik Herzog Georgs in neuer Perspektive 1. Ansatz und Methodischer Zugang a) Heuristischer Ansatz: Landesherrliche Kirchenpolitik b) Analytischer Zugriff: Kirchenpolitische Handlungsebenen c) Methodische Verortung: Religionsgeschichte und Landesgeschichte d) Chronologischer Zuschnitt: Spätmittelalter und Frühe Reformation 2. Leitkonzepte der Untersuchung a) Landesherrschaft b) Landesherrliches Kirchenregiment c) Kirchenreform d) Strategien der Legitimation 3. Quellen Erster Teil. Kirchenregiment und Kirchenreform vor der Reformation (1488 – um 1521) I. Vergleichsparameter: Landesherrliche Kirchenpolitik im spätmittelalterlichen Reich 1. Globale Voraussetzungen 2. Regionale Einfl ußfaktoren 3. Kirchenpolitische Handlungsebenen a) Kurie b) Bischöfe und Domkapitel c) Geistliche Gerichtsbarkeit d) Regularklerus e) Niederklerus f ) Laien 4. Landesherrliche Legitimationsstrategien II. Die wettinische Reformtradition 1. Kurie 2. Bischöfe und Domkapitel 3. Geistliche Gerichtsbarkeit 4. Regularklerus 5. Niederklerus 6. Laien III. Herzog Georg als Kirchenpolitiker: Persönliche Voraussetzungen und fürstliche Herrschaftspraxis 1. Georg von Sachsen (1471–1539) – Eine Annäherung an die Fürstenpersönlichkeit a) Ein Theologe auf dem Herzogsthron? Georgs geistliche Karriere und Bildung b) Zwischen Tradition und Modernität: Georgs Frömmigkeit und geistiger Horizont 2. Patriarchalisches Fürstenregiment? Die Entscheidungsträger der Kirchenpolitik a) Der Hofrat als Entscheidungszentrum b) Führende Köpfe der Kirchenpolitik c) Partner und Berater im Territorium 3. Handlungsträger der Kirchenpolitik a) Räte und Prälaten b) Amtleute c) Stadträte 4. Weltliche Politik im Raum der Kirche? Sechs Thesen zur Genese der Kirchenpolitik Herzog Georgs IV. Papsttum und Konzil 1. Romfernes Sachsen? Bedingungen sächsischer Kurienpolitik um 1500 2. Prokuratoren und Suppliken: Die praktische Gestaltung der Kurienpolitik a) Die Prokuratoren Herzog Georgs b) Kuriale Prokuratoren und gesandte Prokuratoren c) Verfl echtungen und Loyalitäten: Die transalpinen Netzwerke der Prokuratoren d) Gnade gegen Geld: Die Praxis des kurialen Geschäftsganges e) Finanzierung: Abwälzung der Kosten auf lokale Obrigkeiten 3. Das Themenspektrum der Kurienpolitik 4. Hoffnung auf Kirchenreform. Das Fünfte Laterankonzil 5. Das Ende einer Allianz: Ergebnisse und Grenzen der Kurienpolitik Herzog Georgs V. Kaiser und Reich 1. Die Aktivierung von Kaiser und Reich für die Kurienpolitik 2. Die Reichstage: Forum der Romkritik, Forum der Kirchenreform? a) Der Reichstag zu Augsburg 1518 b) Der Reichstag zu Worms 1521 3. Dynastische Interessenpolitik in der Reichskirche VI. Bischöfe und Domkapitel 1. Der Bischof als Objekt des landesherrlichen Kirchenregiments a) Der Machtkampf mit Johann VI. von Meißen b) Landesherrliche Einfl ußnahme auf Bischofsbesetzungen 2. Der Bischof als Partner der landesherrlichen Kirchenreform 3. Das Meißner Domkapitel als Organ der landesherrlichen Kirchenpolitik 4. »[. . .] in unßerm slosse zu Meissen gelegen«: Die Meißner Bischofskirche und die Entwicklung Meißens zum symbolischen Zentrum albertinischer Herrschaft VII. Geistliche Gerichtsbarkeit 1. Konfl iktlinien: Landesherrschaft und geistliche Gerichtsbarkeit 2. Erste Lösungsstrategie: Reduktion der geistlichen Gerichtsbarkeit 3. Zweite Lösungsstrategie: Kontrolle der geistlichen Gerichtsbarkeit 4. Fazit: Kontrolle statt Reform? VIII. Regularklerus 1. Herzog Georg als Klosterstifter 2. Klosterherrschaft und Kirchenregiment 3. Reformstrategien: Die Unterstützung der Observanz in den Bettelorden 4. Reformstrategien: Landesherrliche Klostervisitationen IX. Niederklerus 1. Besetzungs- und Pfründenpolitik a) Strukturelle Rahmenbedingungen: Landesherrliche Patronatsrechte in Sachsen b) Politische Ausgestaltung: Der Umgang Herzog Georgs mit dem eigenen Patronat c) Die Funktionalisierung des Patronats für die Kirchenpolitik d) Pfründenbesetzung, Pfründenaufsicht und Pfründenreform jenseits des Patronats 2. Kirchliche Norm vs. fürstlicher Herrschaftsanspruch: Georgs Pläne für das Kirchenregiment über den Niederklerus 3. Landesherrliche Kirchenreform in der Praxis: Aufsicht über die Amts- und Lebensführung des Niederklerus a) Reformziele b) Reformmaßnahmen c) Kooperation statt Konfrontation: Die Zusammenarbeit mit der geistlichen Gerichtsbarkeit 4. Der Priester als Untertan: Die Einbindung des Niederklerus in den territorialen Untertanenverband a) Besteuerung b) Die Durchsetzung des landesherrlichen Zinsfußes 5. »Episkopale Funktionen«? Landesherrliche Konkurrenz zu bischöfl ichen Aufsichtsrechten a) Bestätigung geistlicher Stiftungen b) Verleihung von Testierfreiheit c) Versorgung arbeitsloser Kleriker d) Vorprogrammierter Konfl ikt oder doppelte Kontrolle? Landesherr und Bischof als konkurrierende Obrigkeiten des Niederklerus 6. Legitimationsstrategien des landesherrlichen Kirchenregiments a) »Landesfurst und oberster collator«: Eine Oberlehnsherrschaft über den Niederklerus? b) Suppliken der Untertanen als Legitimationsquelle 7. Diskussion: Georgs Kirchenregiment über den Niederklerus im territorialen Vergleich X. Laien 1. Förderung – Kontrolle – Kritik: Laienfrömmigkeit als Gegenstand landesherrlicher Kirchenpolitik 2. Fallbeispiel, lokal: Die neugegründete Bergstadt St. Annaberg a) Der Aufbau einer sakralen Infrastruktur: Soziale Integration durch Frömmigkeitsförderung b) Die Annenkirche: Laienbibel und Symbol albertinischer Rechtgläubigkeit c) Förderung und Distanz: Herzog Georg und das Annaberger Heiltum 3. Fallbeispiel, thematisch: Herzog Georg und der Ablaß a) Kontrolle b) Förderung c) Kritik 4. Die Lebensführung der Untertanen als neues Handlungsfeld landesherrlicher Kirchenreform a) Die Präambel der Landesordnung von 1498 b) Laienreform per Gesetz: Die Landesordnung von 1498/1502 c) Reformmandate d) Die Themenfelder der Laienreform e) Die Praxis der Laienreform: Der Landesherr als exekutive Instanz 5. Fazit XI. Vorreformatorische Öffentlichkeit 1. Was ist vorreformatorische Öffentlichkeit? 2. Buchdruck und Landesherrschaft 3. Die Förderung der Leipziger Frömmigkeitsliteratur 4. Landesherrliche Selbstdarstellung und kirchenpolitische Propaganda 5. Fazit XII. Kirche und Landesherr vor der Reformation. Zusammenfassung und Diskussion 1. Landesherrliches Kirchenregiment a) Funktionsweise b) Legitimation c) Kirchenregiment und Landesherrschaft d) Exkurs: Das Territorium als kirchlicher Bezugsrahmen? 2. Landesherrliche Kirchenreform Zweiter Teil. Die Auseinandersetzung mit der frühen Reformation (1517–1525) I. Herzog Georg und Martin Luther: Neues zu einer alten Feindschaft 1. Georgs Weg zum Luthergegner: Von der Gemeinsamkeit in der Kirchenreform zum Gegensatz in Glaubensfragen (1517–1519) a) Ein hoffnungsvoller Anfang: Herzog Georg und die 95 Thesen b) Ein Verdacht entsteht: Die Leipziger Disputation und die Hussitenfrage c) Der Verdacht bestätigt sich: Luthers »Sermon von dem hochwürdigen Sakrament des heiligen wahren Leichnams Christi« 2. Die Gleichsetzung Luthers mit Hus und ihre Konsequenzen 3. Der Beginn der antilutherischen Kirchenpolitik (1519–1521) a) Erste Maßnahmen gegen Luthers Sermon b) Die Begleitung des päpstlichen Ketzerprozesses und der Reichstag von Worms c) Die Anfänge der öffentlichen Auseinandersetzung mit Luther II. »Die verdammte lutherische Sekte«. Georgs Sicht auf die Evangelische Bewegung 1. Die Evangelische Bewegung im albertinischen Sachsen 2. Der Entschluß zum Ketzerkampf 3. Georgs Gegenstrategien: Sanktionen, Gegenpropaganda und Kirchenreform III. Kirchenpolitik gegen die Reformation auf der Reichsebene (1522–1525) 1. Reichstag und Reichsregiment a) Das Regimentsmandat vom 20. Januar 1522 b) Dresdner Reichspolitik bis zum Bauernkrieg c) Primat der Innenpolitik: Georgs Verzicht auf weitere Reichstagsbesuche 2. Jenseits des Reichstags: Einfl ußversuche auf die Religionspolitik anderer Reichsfürsten a) Die Ernestiner b) Andere Reichsstände c) Der Bauernkrieg IV. Landesherrliche Mandate: Die Grundlagen der Verfolgung im albertinischen Sachsen 1. Der Bedrohung ein Gesicht geben 2. Reichsgesetzgebung vs. landesherrliche Mandate 3. Die Grundlagen der Verfolgung 4. Das Funktionieren des Steckbriefs V. Der Einsatz des Kirchenregiments gegen den evangelischen Niederklerus 1. Gegen die Lutheraner und für die Reform: Die doppelte Stoßrichtung des Kirchenregiments 2. Sanktionen und Visitationen: Die Kooperation mit den Bischöfen VI. Der Einsatz des Kirchenregiments gegen evangelische Mönche VII. Der Einsatz des Kirchenregiments gegen evangelische Laien 1. Die Verfolgung der lutherischen Untertanen 2. Sanktionen und positives Gegenangebot: Die innere Verbindung von Verfolgung und Kirchenreform VIII. Der Streit um das verkündigte Wort 1. Georgs Kampf gegen die evangelische Predigt: Das Beispiel Leipzig 2. Gegenoffensive mit dem Wort Gottes: Die Förderung altgläubiger Predigt IX. Der Streit um das gedruckte Wort 1. Offensive: Landesherrliche Propaganda gegen die Reformation a) Reformatorische Öffentlichkeit und altgläubige Kontroversliteratur b) Herzog Georg und die reformatorische Öffentlichkeit c) Landesherrliche Patronage: Förderung altgläubiger Autoren und Drucke d) Die inhaltlichen Aussagen der albertinischen Propaganda e) Das publizistische Programm der albertinischen Propaganda f) Wie erfolgreich war die antireformatorische Propaganda? 2. Defensive: Landesherrliche Zensurpolitik a) Buchproduktion: Blüte und Katastrophe des evangelischen Buchdrucks in Leipzig b) Die Kontrolle des Buchhandels c) Die Untertanen im Visier: Lutherischer Buchbesitz im albertinischen Sachsen d) Fazit: Landesherrliche Zensur im Kampf gegen die Reformation X. Reform statt Reformation 1. Kirchenreform als Strategie im Kampf gegen die Reformation 2. Fallbeispiel: Die Reform der geistlichen Gerichtsbarkeit 3. Möglichkeiten und Grenzen der Reformpolitik Georgs in der Reformationszeit XI. Kirchenpolitik gegen die Reformation: Erfolge, Grenzen, Perspektiven 1. Georgs Kampf gegen die Reformation als Erfolgsmodell? 2. Das albertinische Sachsen im Jahre 1525: Eine offene Zukunft Zusammenfassung Quellen- und Literaturverzeichnis Register der Orts- und Personennamen

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