Menschsein als Selbst- und Fremdbestimmung. Eine theologische Reflexion philosophischer, literarischer und sozialwissenschaftlicher Zugänge zur Identitätsfrage
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Das vorliegende Buch möchte auf Grundlage von philosophischen, literarischen und sozialwissenschaftlichen Zugängen zur Identitätsfrage einen eben jene theologisch reflektierenden Beitrag zum aktuellen Identitätsdiskurs leisten. Hierfür wird anhand der philosophischen Entwürfe von D. Henrich, J.-P. Sartre und H. Plessner der Frage nachgegangen, was unter „Identität" zu verstehen ist. Diese Betrachtungen werden unter den Kategorien „Identität von Objekten", „Identität von Subjekten" und „personale Identität" in einer die menschliche Identitätsproblematik zusammenfassenden Weise in einen Zusammenhang gebracht. Diese wird durch eine Analyse literarischer Figuren aus Werken von M. Frisch, J.-P. Sartre und B. Brecht veranschaulicht. In Bezug auf die theologischen Anthropologien von K. Barth, P. Tillich und E. Jüngel soll ein theologisch reflektierender Zugang zur Identitätsfrage formuliert werden, der die wesentlich auf den Anderen verwiesene personale Seinsweise des Menschen sinnhaft als Identität durch Schöpfung, durch Versöhnung und in Vollendung begreift. Dieses Identitätsverständnis wird abschließend auf sozialwiss. Konzepte bezogen und auf seinen möglichen Beitrag zu einem auf Gewaltverzicht basierenden friedlichen Zusammenleben geprüft. Inhalt Einleitung 1. Philosophische Zugänge zur Identitätsfrage 1.1 Dieter Henrich: Identität als Eigenschaft von Einzelnem 1.1.1 Identität und Einzelnes 1.1.2 Identität und Subjektivität Fazit 1.2 Jean-Paul Sartre: Identität als Struktur und Wert des Bewusstseins 1.2.1 Identität und Für-sich-Sein 1.2.2 Identität und Für-Andere-Sein Fazit 1.3 Helmuth Plessner: Identität im Lebensvollzug der Doppelaspektivität exzentrischer Positionalität 1.3.1 Identität und Doppelaspektivität 1.3.2 Identität und exzentrische Positionalität Fazit 2. Philosophische Reflexion der Identitätsfrage: Menschsein zwischen Selbst- und Fremdbestimmtheit 2.1 Identität und Außenwelt: Identität von Objekten 2.1.1 Identifikation als Orientierungsleistung (Ernst Tugendhat) 2.1.2 Über Sinn und Bedeutung von Identitätsaussagen (Gottlob Frege, Ludwig Wittgenstein) 2.1.3 Zum Problem der Identifizierbarkeit exzentrischer Positionalität 2.2 Identität und Innenwelt: Identität von Subjekten 2.2.1 Ich, Seele und Erlebnis (Jean-Paul Sartre, Erik H. Erikson) 2.2.2 Kontinuität, Kohärenz und Entwicklung des Ich (Jean Piaget) 2.2.3 Zur Fraglichkeit der Annahme einer für die Identität des Menschen konstitutiven Ich-Identität (John Locke, David Hume, Derek Parfit, Peter Singer, Peter F. Strawson, Robert Spaemann) 2.3 Identität und Mitwelt: Personale Identität 2.3.1 Bedingungen und Kriterien für die Anerkennung von Personalität 2.3.2 Zur Verfasstheit personaler Identität: Individuum und Gesellschaft (George H. Mead, Jean-Paul Sartre, Helmuth Plessner) 2.3.3 Reflexive Vermittlung von Selbstheit und Andersheit (Erving Goffman, Paul Ricoeur) 2.4 Menschsein zwischen Selbst- und Fremdbestimmtheit 3. Literarische Zugänge zur Identitätsfrage: Die Unabschließbarkeit der narrativen Einheit des Lebens 3.1 „Du behandelst das Leben nicht als Gestalt, sondern als bloße Addition, daher kein Verhältnis zur Zeit, weil kein Verhältnis zum Tod.“ – Max Frisch: Homo faber 3.1.1 „Ich glaube nicht an Fügung oder Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen.“ 3.1.2 „Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind.“ 3.1.3 „Ich halte nichts von Selbstmord, das ändert ja nichts daran, daß man auf der Welt gewesen ist, und was ich in dieser Stunde wünschte: Nie gewesen sein!“ Fazit 3.2 „Nur Taten entscheiden über das, was man gewollt hat.“ – Jean-Paul Sartre: Geschlossene Gesellschaft 3.2.1 „Man ist, was man will.“ 3.2.2 „Ich sah mich, wie die Leute mich sahen […].“ 3.2.3 „Da ich nun einmal leiden muß, leide ich lieber durch dich.“ Fazit 3.3 „Keinen verderben zu lassen, auch nicht sich selber, jeden mit Glück zu erfüllen, auch sich, das ist gut.“ – Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan 3.3.1 „Lass es dir gut gehen! […] Vor allem sei gut, Shen Te!“ 3.3.2 „Bezeig du Interesse an ihrer Güte, denn keiner kann lang gut sein, wenn nicht Güte verlangt wird.“ 3.3.3 „Euer einstiger Befehl, gut zu sein und doch zu leben, zerriß mich wie ein Blitz in zwei Hälften.“ Fazit 4. Theologische Zugänge zur Identitätsfrage 4.1 Karl Barth: Der Mensch in seiner Bestimmung zum Bundesgenossen Gottes 4.1.1 Die Offenbarung des Menschen als Gottes Geschöpf 4.1.2 Der Mensch als Bundesgenosse 4.1.3 Der Mensch als Seele seines Leibes Fazit 4.2 Paul Tillich: Befreiung aus der Verzweiflung und der Sinnleere 4.2.1 Polaritäten der Existenz und die Frage nach Gott 4.2.2 Existenz im Zustand der Entfremdung und die Frage nach einem Neuen Sein 4.2.3 Die Zweideutigkeiten des Lebens und die Gegenwart des göttlichen Geistes Fazit 4.3 Eberhard Jüngel: Der Gott entsprechende Mensch 4.3.1 Die Bestimmung des Menschen zur Gottebenbildlichkeit 4.3.2 Zur Ganzheit des Menschen 4.3.3 Der Mensch als Wesen des Friedens Fazit 5. Theologische Reflexion der Identitätsfrage: Menschsein als Selbst- und Fremdbestimmung 5.1 Identität von Objekten: Identität durch Schöpfung 5.1.1 Schöpfung als Manifestation des göttlichen Willens 5.1.2 Die Unableitbarkeit des sich in der Schöpfung als deren Grund, Sinn und Ziel manifestierenden göttlichen Willens für den leibhaften Menschen 5.1.3 Geschöpflichkeit als „Gestalt in der Zeit“ 5.2 Identität von Subjekten: Identität durch Versöhnung 5.2.1 Jesus Christus als Repräsentant des wesenhaften Menschseins 5.2.2 Die Unüberwindbarkeit des Zustandes der Entfremdung durch das menschliche Selbstsein 5.2.3 Überwindung der existentiellen Entfremdung durch die Gegenwart des göttlichen Geistes 5.3 Personale Identität: Identität in Vollendung 5.3.1 Heilvolle Ganzheit im Reich Gottes am Ende der Geschichte 5.3.2 Die Unverfügbarkeit der Realisierung des göttlichen Reiches der Freiheit für den personal verfassten Menschen 5.3.3 Zu bewahrende Gegenwart des göttlichen Friedens in der Hoffnung auf die Verwirklichung vollendeter Ganzheit 5.4 Menschsein als Selbst- und Fremdbestimmung 6. Sozialwissenschaftliche Zugänge zur Identitätsfrage: Über Wirklichkeit, Möglichkeit und Notwendigkeit gegenwärtiger Identitätsverständnisse (Schlussbetrachtung) Literaturverzeichnis Personenregister Sachregister
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