Totalitäres Herrschaftssystem: Normativer Charakter - Definition - Konstante und variable Essenzialien - Instrumentarium
Book information
Description
Siegfried Mampel, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen, insbesondere zum Staatsrecht der DDR, erweitert seinen Ansatz anhand neuer Erkenntnisse aus der NS- und der SED-Diktatur zu einer verfeinerten Konzeption des totalitären Herrschaftssystems.Ausgangspunkt ist die politische Macht und ihre doppelte Fähigkeit, ihren Willen in Entscheidungen münden zu lassen und diese durchzusetzen. Als totalitär versteht Mampel den Typ eines Herrschaftssystems, in dem die Macht als Monopol ungehemmt, unkontrolliert und auf Dauer zentral angelegt unter Berufung auf eine Ausschließlichkeit beanspruchende Heilslehre auf den Staatsapparat und bis in das Denken der Mitglieder der Gesellschaft hinein ausgeübt wird.Für die Durchsetzung ihres Willens bedienen sich die Mächtigen eines spezifischen Instrumentariums. Dazu gehören eine Partei besonderen Typs, ein Terrorsystem, die ideologische Indoktrination (eine wichtige Rolle spielt hier das Medienmonopol) sowie die Planung und Lenkung der Wirtschaft. Ein weiteres Mittel ist die umfangreiche Kontrolle jeglicher Regung in der Gesellschaft. Gegebenenfalls wird das selbst gesetzte Recht gebrochen. Die Anwendung dieser konstanten Mittel sieht der Autor insoweit als variabel an, als sie zum Teil in wechselseitiger Abhängigkeit unterschiedlich eingesetzt werden können. So hat sich am Beispiel der DDR gezeigt, daß, wenn es opportun erscheint, der Terror abgemildert und die ideologische Indoktrination verstärkt wird.Schon die Klassiker der Totalitarismuskonzeption hatten erkannt, daß die Durchsetzungsfähigkeit jedes Herrschaftssystems durch »Inseln der Absonderung« in der Gesellschaft begrenzt ist. Mampel folgert daraus, daß es für die Wirkung eines konkreten totalitären Herrschaftssystems auf die Stärke seiner Durchsetzungsfähigkeit ankommt. Ihre Abschwächung führt zum Ende eines totalitären Herrschaftssystems.Indem Mampel zwischen konstanten und variablen Elementen der Essenzialien eines Herrschaftssystems unterscheidet, können sowohl dem Wandel in einer Diktatur als auch den Unterschieden zwischen verschiedenen (NS-Diktatur, SED-Diktatur) Rechnung getragen werden. Trotz dieser Unterscheidung bleiben die Gemeinsamkeiten der beiden totalitären Herrschaftssysteme außer Frage.
Similar books
Das Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR als Ideologiepolizei: Zur Bedeutung einer Heilslehre als Mittel zum Griff auf das Bewußtsein für das Totalitarismusmodell
1996 · PDF
Auswärtige Gewalt und Gewaltenteilung
1971 · PDF
Armutsorientierte Entwicklungspolitik: Ansatzpunkte zur Verbindung von Wachstum und Armutsreduzierung durch Förderung kleinbäuerlicher Zielgruppen
1983 · PDF
Auslandsinvestitionen ostasiatischer Länder in Europa und in der Bundesrepublik Deutschland
1995 · PDF
Buchführung und Bilanz: Ein Beitrag zur Theorie und Geschichte der doppelten Buchführung
1958 · PDF
Soziale Marktwirtschaft und parlamentarische Demokratie: Eine institutionenökonomische Analyse der politischen Realisierungsbedingungen der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft
2000 · PDF
Die Gemeinschaftsaufgaben des Art. 91 a GG als Versuch einer verfassungsrechtlichen Institutionalisierung der bundesstaatlichen Kooperation: Eine verfassungsrechtliche und verfassungspolitische Untersuchung
1974 · PDF
Die Reformen in Polen und die revolutionären Erneuerungen in der DDR: (Jahrbuch 1990)
1991 · PDF