Der Tagebuchroman als literarische Gattung: Thematologische, poetologische und narratologische Aspekte
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Trotz sehr spezifischer Themen, poetologischer Strukturen und narrativer Strategien sind Tagebuchromane bislang noch nicht als eigenständige Gattung bestimmt worden – im Gegensatz zur Nachbargattung des Briefromans. Die Arbeit entwickelt eine systematische Gattungsbestimmung des Tagebuchromans. Anhand detaillierter Textanalysen von Raabes Chronik der Sperlingsgasse, Rilkes Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge und Torbergs Und glauben, es wäre die Liebe... werden einerseits gattungssystematische Gemeinsamkeiten, andererseits literarhistorische Entwicklungen aufgezeigt. Die sich anschließende Gattungsdefinition fokussiert erstens die spezifische Konstitution des schreibenden Subjekts im Tagebuchroman, zweitens die eingesetzten narrativen Strategien und drittens die fiktionslogische Besonderheit einer ‚Faktualitätsfiktion‘. Tagebuchromane erweisen sich als metanarrative Gattung, die illusionsbestärkende Elemente mit Fiktionsmarkern kombiniert und damit bereits seit 300 Jahren mit textuell-narrativen Verfahren experimentiert, die in der Gegenwartsliteratur als innovativ wahrgenommen werden. Vorwort Inhalt I. Teil: Einleitung und Hinführung 1 Der Tagebuchroman als Lakune der Gattungsforschung 2 Der Tagebuchroman im Kontext anderer Gattungen 2.1 Tagebuchroman und Autobiographie 2.2 Tagebuchroman und Tagebuch 2.3 Tagebuchroman und Briefroman 3 Aufbau und Methoden der vorliegenden Arbeit 3.1 Aufbau und Werkauswahl 3.2 Methoden II. Teil: Stationen der Gattungsgeschichte 1 Kultur- und literaturgeschichtliche Kontexte 1.1 ‚Robinson Crusoe‘ – Die Initialzündung der Gattung 1.2 Zum Realitätsdiskurs in der Romantheorie des 18. Jahrhunderts 1.3 Zur kulturellen Bedeutung von Tagebüchern im 18. Jahrhundert 1.4 Tagebuchromane im 19. Jahrhundert – Divergierende Tendenzen 1.5 Tagebucherzählungen der Moderne 1.6 Tagebuchartige Texte der Gegenwartsliteratur 1.7 Fazit – Tagebuchromane als Diskursantwort auf Tagebücher und die Romantheorie 2 Zwischen ‚Traumseligkeit‘ und selbstbewusster Zeugenschaft – Tagebuchschreiben in Wilhelm Raabes ‚Die Chronik der Sperlingsgasse‘ 2.1 Wachholder als Chronist und Konstrukteur von Wirklichkeit – Close Reading 2.1.1 Poetologische Reflexion I – Die Motivierung des eigenen Schreibens 2.1.2 Erinnerungen I – Die eigene Kindheit und Studienzeit 2.1.3 Erinnerungen II – Elises Kindheit als gesegnete Zeit 2.1.4 Poetologische Reflexion II – Die Geschichte von Margarete Karstens 2.1.5 Erinnerungen III – Elises Jugend 2.1.6 Poetologische Reflexion III – Die ‚Strobeliana‘ 2.1.7 Erinnerungen IV – Elise und Gustav 2.1.8 Fazit – Wachholders Schreiben als ästhetisch-ethisch motiviertes Erinnern 2.2 Schreiben als reflektiertes poetologisches Handeln – Narratologische Analyse 2.2.1 Das spezifische Erinnerungsprinzip – Die Gestaltung der narrativen Kategorie ‚Zeit‘ 2.2.2 Dramatisches Erzählen als Ausdruck emotionaler Involvierung – Die Gestaltung des ‚Modus‘ 2.2.3 Reflektierte Intradiegesen – Die Gestaltung der ‚Stimme‘ 2.2.4 Fazit – Wachholders Erinnern als strukturierte Tätigkeit 3 Zwischen Wahn und poetischer Selbstfiguration in der ‚neuen Sprache‘ – Tagebuchschreiben in Rainer Maria Rilkes ‚Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge‘ 3.1 Malte als schreibender Seher – Close Reading 3.1.1 Die Entwicklung des ‚neuen Sehens‘ als angstbehafteter Prozess 3.1.2 Schreiben und Lesen als schutzbietende Strategien 3.1.3 Prätexte als Schutz- und Ordnungsmuster 3.1.4 Schreiben als karitatives Handeln 3.1.5 Kindheitsphobien als Auslöser des Schreibens 3.1.6 Das Schreiben von Frauen – Abelone als Mittlerin 3.1.7 Deskription als poetisches Scheitern – Die Geschichten von Nikolaj Kusmitsch und Grischa Otrepjow 3.1.8 ‚Das Seiende‘ – Bettine als poetisch-ontisches Ideal 3.1.9 Maske und Verkleidung – Die Verstellung des Seienden im Theater 3.1.10 Die ‚großen Liebenden‘ – Figurationen der intransitiven Liebe 3.1.11 Das Gleichnis vom verlorenen Sohn als letzte Selbstfiguration Maltes 3.1.12 Fazit – Maltes Schreiben als Suche nach der ‚neuen Sprache‘ 3.2 Das Tagebuch als poetologische Textur – Narratologische Analyse 3.2.1 Textile Textgestaltung – Strukturspendende Textualität 3.2.2 Fehlende temporale Markierungen – Die Gestaltung der ‚Zeit‘ 3.2.3 Zunehmende Mittelbarkeit des Erzählten – Die Gestaltung des ‚Modus‘ 3.2.4 Mittelbarkeit als Voraussetzung für poetologische Selbstfigurationen – Die Gestaltung der ‚Stimme‘ 3.2.5 Fazit – Maltes poeto-ontologische Entwicklung als narrativ gestalteter Prozess 4 Zwischen scheiternder Liebe und kompensierender Autorschaft – Tagebuchschreiben in Friedrich Torbergs ‚– und glauben, es wäre die Liebe‘ 4.1 Walter als naiver Utopist – Close Reading 4.1.1 Zirkuläre Reflexionen – Hemmnisse der Liebe 4.1.2 Missglückende Annäherungen – Das Tagebuch als Medium 4.1.3 Verzweifelnde Appelle – Der Wunsch nach Körperlichkeit 4.1.4 Dichtungstheoretische Ausflüchte – Das Tagebuch als Roman 4.1.5 Fortdauernde Abhängigkeiten – Absage an die Liebe 4.1.6 Fazit – Walters Schreiben als missglückende Beschwörung der Liebe 4.1.7 Exkurs – Korrigierende Außenperspektiven 4.2 Schreiben als Kompensation – Narratologische Analyse 4.2.1 Unüberwindbare Statik – Die Gestaltung der ‚Zeit‘ 4.2.2 Versuchte Distanzierung – Die Gestaltung des ‚Modus‘ 4.2.3 Die erfolgreiche Erhebung zum Autor – Die Gestaltung der ‚Stimme‘ 4.2.4 Fazit – Walters Schreiben zwischen gescheiterter Figurenschrift und erfolgreicher Autorschaft III. Teil: Der Tagebuchroman – Zur Konstitution einer Gattung 1 Gattungstheoretische Überlegungen 2 Subjekttheoretische Bestimmungen – Das Subjekt im Schreiben 2.1 Der Subjektdiskurs in der Literaturwissenschaft 2.2 Die schreibenden Subjekte – Das poetische Selbstverständnis der Tagebuchschreiber 2.3 Die erschriebenen Subjekte – Tastende Konturierungen von Subjektivität 2.4 Alter Ego? – Das Verhältnis von Tagebuchschreiber und Autor 3 Narratologische Bestimmungen – Das Schreiben des Subjekts 3.1 Erzählen als „konsonantische Organisationform“ (Ricoeur) – Die Kategorie ‚Zeit‘ 3.2 Erzählen als Strategie zwischen Distanzierung und Identifikation – Die Kategorie ‚Modus‘ 3.3 Der Erzähler als zentrale Figur – Die Kategorie ‚Stimme‘ 3.4 Fazit – Erzählen im Tagebuchroman als komplexer Prozess wider den ersten Schein 4 Fiktionslogische Bestimmungen – Das Subjekt im Kontext von Fingierungsstrategien 4.1 Intimitätsfiktion 4.2 Herausgeberfiktion 4.3 Faktualitätsfiktion 4.4 Exkurs – Autorschaft im Tagebuchroman 5 Der Tagebuchroman als metanarrative Gattung 5.1 Selbstreferentialität – Forschungskontexte 5.2 Selbstreferentialität und Illusionsbestärkung im Tagebuchroman 5.3 Metanarration statt Metafiktion 5.4 Historisch variable Funktionen von Metanarrativität im Tagebuchroman IV. Teil: Zusammenfassung und Ausblick 1 Zusammenfassung 2 Ausblick – Tagebuchromane im Literaturunterricht Anhang Bibliographie Tagebuchromane der deutschen Literatur Forschungsliteratur Personenregister
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